Donnerstag, 6. Oktober 2016

Psychologen sind Idioten ?! (Kapitel 44)

Diese Gruppensitzung zieht sich mal wieder wie Kaugummi. Ich bin schon kurz vorm Durchdrehen, als Johannes endlich den immer wieder kehrenden Satz sagt: "So Schluss für Heute, liebe Leute."
So einen beschissenen Satz hab ich vorher, in meinem normalen Leben, noch nie gehört.
Normales Leben..., normale Kindheit..., normale Eltern. Was für eine beschissene Welt.

Alle stehen endlich auf und die meisten verdrücken sich in ihre Zimmer.
Ich versuche mich an Samantha vorbei zu drängen aber sie bleibt genau vor mir stehen und starrt mich an.
"Was ist dein Problem? Geh zur Seite. Ich will vorbei oder hast du keine Augen im Kopf?"
"Na, vermisst du was?", fragt sie mich und grinst mich blöde an, "bist ja richtig schräg drauf, wenn man bedenkt, das dein Alter sich auf gehängt hat versteht man so einiges besser."

"Verpiss dich bloß, du blöde Kuh, du kapierst gar nichts. Nicht die Bohne verstehst du."
Langsam werde ich richtig sauer, ich brauche unbedingt meine Sachen zurück bevor noch was schlimmes passiert. Alles dreht sich in meinem Kopf, ich muss plötzlich an die Gruppensitzung denken, an all die anderen armen Schweine, die genauso beschissen dran sind wie ich. Oder noch beschissener.
Ich denke an Ute, mager und immer in Bewegung. Sie sieht keinen direkt an und scheint immer auf der Flucht vor sich selbst zu sein.
Oder Florian, eben saß er mir noch gegenüber und erzählte von seinem anderem Ich, etwas was wahrscheinlich nur er selber versteht. Vielleicht noch Johannes, aber ganz sicher bin ich mir da nicht.
Daniela, diese vollkommen durchgeknallte Gothiktussi - alles schwarz, sogar ihre Gedanken sind schwarz.
Über Samantha will ich erst gar nicht nach denken. Die ist total psycho, richtig die üble Sorte von Sadomaso.
Ja und da sind ja noch Melanie und Susana. Wie siamesische Zwillinge hocken sie ständig zusammen. Naja, es sind ja auch Schwestern. Sie wurden wohl von ihren Eltern aufs Übelste Gefoltert und schikaniert. Die kommen nicht mehr klar mit ihrem Leben. Richtige Duckmäuser, schrecken bei jedem Geräusch zusammen und heulen nur noch.
An all diese gestörten oder zerstörten Leute, die hier mit mir wohnen muss ich denken. Ich habe etwas Mitleid mit einigen, aber nur kurz. Mit mir hat auch niemand Mitleid oder doch?
Bei dem Gedanken fällt mir Kai ein und ich freue mich unheimlich das er wieder da ist. Eine Woche Urlaub sind lang für den Anderen. Für den, der wartet meine ich. Und ich habe gewartet.
Er war auch bei der Gruppensitzung. Die ganze Zeit habe ich überlegt, ob ich ihm von Samantha und den geklauten Notizen von mir erzählen soll. Ich weiß nicht so recht, vielleicht löse ich das Problem lieber auf meine Art. Ich will nicht, das er noch mal Ärger wegen mir bekommt. Ist das wohl Liebe?
Auf die Frage bekomme ich wohl keine Antwort, von wem auch?
Ich stehe immer noch vorm Gruppenraum und noch ganz im Gedanken bei Kai gehe ich zurück in mein Zimmer.
Langsam öffne ich die Tür, irgendetwas hält mich zurück.
Ein leise Geräusch, was ich nicht zuordnen kann, ein Kratzen?
Ich stoße die Tür auf, und da sitzt sie wieder, dieses fremde Mädchen, ohne Namen.
Sie sieht mich an und versucht zu reden, aber es kommt nur ein dunkles Grollen bei mir an.
"Wer bist du, was willst du von mir?"
Sie lächelt und ich fange an, sie zu verstehen.
"Bist du vielleicht Ich?"

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