Freitag, 1. Juli 2016

Psychologen sind Idioten ?! (Kapitel 41)

Wieder diese hässliche Fresse von dieser blöden Kuh.
Sie schaut ernst drein und zieht eine Augenbraue hoch. "Was ist denn hier los?"
"Äh... nichts", stammele ich.
"Kai, geh bitte. Ich möchte mit Lilly allein reden."
Kai sieht kurz zu mir rüber.
Ich schaue ihn traurig an. Er erwidert kurz den Blick, legt für einen kleinen Augenblick leicht den Kopf schief, setzt dann eine ernste Miene und geht mit leicht gesenktem Blick.
Mechthild folgt ihm mit ihrem Blick.
Als sich die Tür schließt, wendet sie sich mir ruckartig zu.
"Lilly, ich möchte, dass du mir auf der Stelle erklärst, was hier los ist."


Diese Frau... ich frage mich, wie sie die täglichen Mordanschläge überlebt, die ihre Mitmenschen wahrscheinlich auf sie verüben, wenn sie bei denen auch nur ansatzweise so ist wie bei mir.

"Ich äh... Ich kann nicht schlafen."
"Und was hat das Chaos hier zu bedeuten? Es ist Nachtruhe. Andere schlafen schon." Man hört einen aggressiven Unterton in ihrer Stimme, den sie versucht zu unterdrücken.
"Weiß nicht.", ich spüre, wie sich alles in mir sträubt, diese Unterhaltung fortzusetzen.
Warum kann sie nicht einfach weggehen?
"Es wäre besser für dich, wenn du jetzt schlafen gehst. Ich werde Johannes von diesem Vorfall berichten. Natürlich auch davon, dass Kai hier war, obwohl er hier drin nichts zu suchen hatte. Für ihn wird das entsprechend auch Folgen haben."
"Aber..."
"Kein Aber. Gute Nacht, Lilly."
Sie geht.
Endlich wieder allein.
Wieso ist so eine Frau meine Bezugsperson?
Ich will nicht, dass das Folgen für Kai hat. Dann will er bestimmt nichts mehr mit mir zu tun haben. Ich verkrieche mich unter die Bettdecke und mir steigen wieder Tränen in die Augen.

Als ich von einem Klopfen geweckt werde, ist es hell.
Die Tür geht auf und kracht gegen die Wand.
Das letzte Mal, als zwei Dinge so heftig kollidierten, hat dies wahrscheinlich für das Aussterben der Dinosaurier gesorgt. Sofort bekomme ich Kopfschmerzen.
"Hey Bitch, hast du vielleicht 'ne Kippe für mich?", sagt eine mir unbekannte, weibliche Stimme.
Ich drehe mich zur Wand. "Verpiss dich."
Die Tür schließt sich. Ich merke, wie sich jemand neben mir aufs Bett setzt.
"Bitte... nur eine.", sie klingt traurig. Bettelnd.
Ich drehe mich leicht und schaue sie an.
Sie ist klein. Geschätzt einen Kopf kleiner als ich und ich bin ja schon nicht die größte.
Dunkelbraune, schulterlange Haare, braune Augen.
Schelmisch grinst sie mich an.
"Wer bist du überhaupt?"
"Ich sag's dir, wenn du mir eine Kippe gibst."
"Geh mir nicht auf den Sack. Verpiss dich einfach."
"Komm schon, Kleines. Sei kein Frosch."
Die Tür öffnet sich erneut.
Es ist Ute.
Als ich sie sehe, werde ich augenblicklich richtig sauer.
"WAS WOLLT IHR ALLE VON MIR?! LASST MICH DOCH MAL IN RUHE!"
Ute läuft augenblicklich rot an und verlässt wieder das Zimmer.
Es fängt direkt an, mir leid zu tun, sie angebrüllt zu haben. Sie war immer nett zu mir.
Bestraft werde ich direkt mit einem pochenden Schmerz in meinem Kopf. Die Kopfschmerzen werden schlimmer...
Das Mädchen neben mir grinst mich an.
"Der hast du es aber gezeigt. Die nervt mich auch schon. Ich heiße Samantha."
"Aha.", sage ich trocken.
"Du bist Lilly, oder?"
Erschrocken sehe ich sie an. "Woher weißt du das?!"
Sie lacht. "Die Leute reden."
Innerlich setze ich wieder meine Maske auf. Meine das-juckt-mich-alles-nicht-Maske. Ich sehe ihr in die Augen.
Sie starrt mich mit ihrem musternden Blick regelrecht an. Als könnte sie direkt in meine Seele schauen. "Also? Hast du jetzt 'ne Kippe für mich?"
Ich wende den Blick ab und emotionslos antworte ich: "Ich rauche nicht."
"Jammerschade. Trinkst du wenigstens? Alkohol meine ich natürlich."
"Ja... manchmal."
"Cool. Lass uns heute Abend was zusammen machen. Bisschen labern oder so. Du hast doch Ausgang, oder? Draußen ist es chilliger."
Ich werde ein wenig skeptisch und schaue sie wieder an.
Sie grinst wieder. Und langsam vergeht ihr das Grinsen.
"Hallo? Samantha an Erde. Ich habe eine Frage gestellt. Over."
"Ja klar, können wir machen."
Eigentlich habe ich das nur gesagt, um sie los zu werden, aber sofort weiß ich, dass ich es bereuen werde, das gesagt zu haben.
"Cool. Wir sehen uns gleich beim Frühstück. Wir gehen zusammen in diese komische Klapsenschule hier oder?"
"Ja, da muss ich auch hin... Bis gleich."
Sie streichelt mir sanft durch die Bettdecke über die Seite und steht dann auf.
Als sie durch die Tür verschwunden ist und die Tür schon fast zu ist, öffnet sie sich noch mal einen kleinen Spalt uns Samantha steckt ihren Kopf hindurch.
"Wehe du vergisst unser Date heut' Abend!"
"Date?", frage ich, aber sie ist schon weg. Aus dem Treffen komme ich sicher nicht mehr raus. Hoffentlich nervt die mich nicht total.

Ich versuche mich seelisch vorzubereiten.
Na gut... Nun muss ich aufstehen, meine Pflicht erfüllen, damit ich keine "Artigkeits"-Punkte abgezogen bekomme - sonst wird mir der Ausgang sicher wirklich entzogen, was ich nach meiner Aktion letzte Nacht sowieso schon befürchte - und dann Frühstücken gehen.
Ich sollte mich bei Ute entschuldigen.

Ich reibe mir die Augen und schlage dann langsam die Bettdecke zurück.

Weiterlesen? => Psychologen sind Idioten ?! (Kapitel 42)

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