Dienstag, 20. Dezember 2016

Der Verrat am Selbst

Wisst ihr, ich habe die Weisheit weder mit Löffeln gefressen, noch für mich gepachtet, aber irgendwann muss man doch auch mal merken, dass etwas nicht stimmt.

Mit meiner Ansicht stoße ich oft auf Ablehnung und Resignation.
Und das kann ich gut verstehen. Sie ist Gift für eure kleine, heile Welt.
Unsere Welt wird schon lange kontrolliert von Geld, Korruption und Lügen.
Das weißt du, das weiß ich - fast die gesamte Welt weiß es.

In einer Zeit, in der gefühlt jeder dritte Mensch zum Therapeuten geht oder mehrere stationäre Aufenthalte in einer Psychiatrie hatte. In einer Zeit, in der jeder sich selbst fragt, was mit ihm nicht stimmt - warum er nicht funktioniert, nicht dazu passt. In so einer Zeit sollte man mal anfangen zu denken und über den eigenen Tellerrand zu schauen. Vielleicht sollte man sich mal fragen, was mit unserer Gesellschaft nicht stimmt. Was mit unserem System nicht stimmt.
Wenn man Probleme und Sorgen hat, hört man immer: "Denk' nicht so viel nach." - aber genau das ist das Problem. Wir denken mittlerweile alle viel zu wenig nach. Wir lassen andere für uns denken. Das hat sich seit etlichen Jahren nicht verändert und das wird uns auch vom Kindesalter an immer so eingetrichtert.

Montag, 5. Dezember 2016

Deine Melodie (für meinen geliebten Sohn)

Eine gemütliche Zeit, mit Eis und Schnee.
Alles sieht sauber und glänzend aus.
Kerzen stehen auf den Tischen,
Lichter erstrahlen in den Fenstern.
Siehst du wie schön diese kalte, dunkle Zeit ist?
Gehst du auf den Weihnachtsmarkt?
Riechst du die Gewürze an den Ständen?
Freust du dich über die glänzenden Dinge, die überall herum stehen?
Mach die Augen auf und dein Herz.
Freu dich mal wieder wie ein kleines Kind.
Strahl mit den Lichtern und sing ein Lied.
Ein Lied was nur du kennst, deine Melodie.
Jeder hat so ein Lied und wenn du tief in dich hinein horchst, kannst auch du die Melodie hören.
Es ist eine schöne Zeit.
Und wenn es in dir zu dunkel ist, zünd eine Kerze an und sing dein Lied.

Donnerstag, 10. November 2016

Sei mutig, sei stark

Halt die Hand, die dir gereicht wird.
Sei ganz still und leise,
bleib sitzen, renn nicht davon
und dann, irgendwann,
kannst du mit ihren Gedanken
auf den Weg gehen.
Auf den Weg zurück ins Leben.

Dienstag, 8. November 2016

Kettenkarusell

Ich sitz im Kettenkarussell,
ich fliege hoch
ich fliege schnell.
Jetzt möcht ich schrein,
ich tu es nicht,
du lässt mich wieder mal im Stich.

Die Angst sitzt ständig neben mir,
sie grinst mich an,
malt schwarze Kreise aufs Papier.
Für was, für wen?
Warum, wieso? Soll ich durch Finsternisse gehen?

Montag, 7. November 2016

Wer ist schuld?

Hast du es geahnt? Trägt irgendjemand die Schuld?
Fragen, die sich wahrscheinlich nur die Eltern stellen werden, wenn sie bemerken das etwas nicht stimmt. Das ihr Sohn oder ihre Tochter nicht so ist wie die anderen.
Es sind nicht immer nur die misshandelten oder gequälten Seelen. Es ist nicht der Fehler der Gesellschaft, der Umstand in dem man aufwächst oder die Unwissenheit der Beteiligten.
Ganz oft wird Angst mit Trauer verwechselt oder Andersartigkeit mit Gleichgültigkeit.
Viele verstehen nicht, das es auch im Innern eines Menschen weinen kann.
Keine Tränen, die man sieht, keine Schmerzen die man lokalisieren kann.
Eine Magersucht muss nicht aus einem Schönheitsideal entspringen, sie ist auch oft ein Zeichen für Lieblosigkeit, Angst und Wut.
Aber woher kommen diese Gefühle? Sind die Eltern oft weg oder ungerecht?
Bekommt man nicht genug Zuwendung, wird vielleicht sogar ignoriert oder gedemütigt?
Nichts von all den vielen Gründen entschuldigt es, sich selbst zu zerstören.
Jeder hat die Wahl!
Jeder kann selbst entscheiden, was er sich an tut oder nicht.
Keiner hat das Recht anderen die Schuld zu geben für den Verlauf seines Lebens.
Niemand bleibt für immer der selbe Mensch.
Auch du wirst dich eines Tages verändern, vielleicht wenn eine kleine Hand sich in deine schiebt.
Plötzlich hast du die Verantwortung für ein kleines Leben.
Macht es dir später Vorwürfe?
Bist du dann Schuld, wenn die Seele weint?
Wer ist wirklich schuld?

Donnerstag, 13. Oktober 2016

Mein wahres Ich

Eines Tages wirst du diesem stechenden Blick in deinem Nacken nicht mehr entfliehen können.
Du wirst deine Sünden wie einen Schauer deinen Rücken langsam herunterkriechen spüren und irgendwann wird der Zeitpunkt kommen, an dem du all deine Missetaten anerkennen musst.
Dann wird dein verdorbenes Herz zerschmettert, welches du so lange mit deinen feigen Ausreden und Lügen, die du dir selbst erzählt hast, beschützt hast.
Und aus den Scherben deiner gebrochenen Seele wird dein wahres Ich erwachen.

Donnerstag, 6. Oktober 2016

Psychologen sind Idioten ?! (Kapitel 44)

Diese Gruppensitzung zieht sich mal wieder wie Kaugummi. Ich bin schon kurz vorm Durchdrehen, als Johannes endlich den immer wieder kehrenden Satz sagt: "So Schluss für Heute, liebe Leute."
So einen beschissenen Satz hab ich vorher, in meinem normalen Leben, noch nie gehört.
Normales Leben..., normale Kindheit..., normale Eltern. Was für eine beschissene Welt.

Alle stehen endlich auf und die meisten verdrücken sich in ihre Zimmer.
Ich versuche mich an Samantha vorbei zu drängen aber sie bleibt genau vor mir stehen und starrt mich an.
"Was ist dein Problem? Geh zur Seite. Ich will vorbei oder hast du keine Augen im Kopf?"
"Na, vermisst du was?", fragt sie mich und grinst mich blöde an, "bist ja richtig schräg drauf, wenn man bedenkt, das dein Alter sich auf gehängt hat versteht man so einiges besser."

Mittwoch, 31. August 2016

Abschied

(Hinweis: der folgende Text ist reine Fiktion und beruht nicht auf der Realität)

Und trotz dass er keinen klaren Gedanken fassen konnte, hatte er das Gefühl, er könnte direkt in sein Herz sehen. Er spürte den Schmerz so präsent wie nie zuvor. Nicht nur seinen eigenen Schmerz, sondern den Schmerz aller. Als ein dunkler Schleier sich um ihn legte, fühlte er etwas wie Verständnis. Und etwas, was sich anfühlte wie Geborgenheit. Zumindest glaubte er, dass sich Verständnis und Geborgenheit so anfühlen, denn wie sich so etwas anfühlt, hatte er längst vergessen.
Und während diese warmen Hände der Geborgenheit und der Zustimmung auf seinen Schultern ruhte und der düstere Schleier sich um ihn legte, begann er etwas zu schreiben, von dem er glaubte, dies schon viel eher getan haben zu müssen: 

"Herzliche Grüße an alle meine Mitmenschen,
ganz besonders an die Person, die diesen Brief irgendwann findet.
Es kommt einmal der Tag, an dem man erkennt, dass die Welt sich auch ohne einen dreht.
Der Tag, an dem man schmerzhaft daran erinnert wird, dass Herzschmerz sich auch als physisches Phänomen der gleichen Ursache ausdrücken kann.
Es gibt Wunden, die nicht geheilt und nicht vergessen werden können.
Wir sind, wer wir sind - bis zu dem Tag, an dem wir sterben - oder bis zu jenem, an dem uns die Kraft fehlt, weiter zu machen.
All diese Gefühle und Gedanken lassen mich nicht los, solange noch Luft diese Lunge füllt.
Mein Tag ist gekommen. Doch trauert nicht um mich, denn euer Tag liegt noch in der Zukunft. Was wird sich ohne mich schon verändern? Vermutlich nur wenig.
Ich spiele keine besondere Rolle in der Geschichte der Menschheit, nicht der Gesellschaft. Ich gehörte nie dazu und das wollte ich auch gar nicht. Ich wollte etwas verändern, weil ich im tiefen Inneren spüre, dass so vieles falsch läuft ist.
Ich befürchte, dass ich damit lange gegen den Strom geschwommen bin und ich weigere mich wehement einzusehen, dass meine Ansicht vielleicht falsch sein könnte.
Ich bin verbittert, ja. Und ich habe sehr, sehr lange versucht, den Frieden mit mir und dieser Welt zu finden. Aber es gibt keinen Frieden auf dieser Welt. Ungerechtigkeit und Chaos herrschen hier. Ich habe lange genug versucht, meinen Missmut zu äußern und andere Menschen zu bewegen.
Ohne Erfolg, wie es mir scheint. An all diesen Umständen, die für meine innere Unruhe und Unzufriedenheit sorgen, vermag ich nichts zu ändern, aber ich kann auch nicht mehr damit leben. Daher sehe ich keinen anderen Weg.
Ich entschuldige mich hierfür. Nicht, weil es mir leid tut, sondern weil es meine Höflichkeit so verlangt und ich denen Schmerzen bereite, denen ich etwas bedeutet habe.
Lasst mich bitte gehen. Meinetwillen.
Diese Welt dreht sich weiter. Ab heute ohne mich."

Freitag, 12. August 2016

Einsam und missverstanden

Schneidende Kälte empfängt mich beim Betreten meiner Wohnung.
Nicht diese Art von Kälte, die man verspürt, wenn sich die eigene Körpertemperatur der kühleren Umgebungstemperatur anpasst, sondern die Kälte der Einsamkeit.
Endlich zu Hause.
Zu Hause - nicht mein Eigentum. Eine halbwegs anständig eingerichtete Wohnung, nicht gehoben, nicht proletarisch. Bin ich hier zu Hause? Ich wäre lieber wo anders, aber weiß nicht wohin. Daher bleibe ich einfach hier.
Nachdem ich meinen Mantel aufgehängt habe, manifestiert sich ein leicht unangenehmer, aber nicht allzu penetranter Geruch in meiner Nase, der sich längst langsam angeschlichen hatte.
Mein Blick fällt auf das ungewaschene Geschirr, das schon seit über einer Woche an der Spüle steht.
Ich mache einen Schritt darauf zu, halte kurz inne und gehe vorüber.
Ein kurzer Blick in den Kühlschrank. Nicht leer, aber doch nichts, was mich interessiert.
Niemand hier. Für einen kurzen Moment bin ich überrascht - als müsse hier eigentlich jemand auf mich warten. Eine Frau, ein Kind, ein Haustier. Irgendetwas, irgendjemand.
Noch deutlicher spüre ich die innerliche Kälte, die gar zärtlich zerfleischt.
Ich sitze an meinem Schreibtisch. Eigentlich geht es mir doch gut. Ich habe meine Ruhe, habe ein Dach über dem Kopf, Strom, Wasser, genug zu Essen, genug Geld.
Ich kann diese Zufriedenheit nicht ertragen. Dieses Normalsein.
Der Drang etwas intensives zu verspüren, das meine äußere, trostlose Fassade durchdringt und mein tiefstes Inneres mit etwas erfüllt, überkommt mich.
Ob dies Schmerz, Lust, Freude oder Trauer ist, ist mir fast gleich.
Ein kurzes Gefühl von Zorn überkommt mich. Zorn auf alles und jeden, aber hauptsächlich auf mich. Zorn über meine eigene Unzufriedenheit, über all die Menschen, die nicht verstehen. Das Gefühl erfüllt mich gänzlich und geht in Hilflosigkeit über. Ich schiebe dieses Gefühl beiseite und Nüchternheit überkommt mich.
Leicht lethargisch, fast schon apathisch lege ich mich auf mein Bett.
Mein Bett. Einer meiner liebsten Zufluchtsorte. Weich, still und gelassen, fast schon liebsam.
Ich greife zu einem leicht vergilbten Buch. Als ich es in der Hand halte, lasse ich wieder davon ab und lege es zur Seite. Das bringt doch alles nichts.
Die Dunkelheit umarmt mich liebevoll und zugleich erdrückend, als ich das Licht lösche und ich hoffe, dass mich diese Nacht weniger Gedanken quälen und vom Schlaf abhalten als sonst.
Der Schlaf, aus dem ich am liebsten nie mehr erwache.

Donnerstag, 11. August 2016

Psychologen sind Idioten ?! (Kapitel 43)

Ich lege mich aufs Bett und lese dieses komische Buch über Borderline, das Johannes mir vor ein paar Tagen gegeben hat.
Da steht echt nur Müll drin. Ich werfe es zur Seite, setze mich hin und lasse die Beine baumeln.
Es klopft an der Tür.
"Hat man in diesem Scheißverein hier nie Ruhe?!", rufe ich.
Die Tür öffnet sich.
Oh nein...

Der Tag, an dem alles endet

Es wird der Tag kommen, an dem ich zerbreche,
der Tag, an dem ich jede Hoffnung fahren lasse,
der Tag, an welchem ich meine Augen, die des Lebens müde sind, für immer schließen möchte,
der Tag, an jenem der Schmerz und die Pein so groß werden, dass mein Herz zerspringt.
Ich bin, wer ich bin - bis zu jenem Tag, an dem ich sterbe oder mich die Kraft verlässt, weiter zu machen.

Doch heute ist dieser Tag noch nicht gekommen.
Ich stehe auf und gehe meinen Weg. Unklar darüber was kommt, aber wohlwissend, wie das Ende aussieht.

Donnerstag, 28. Juli 2016

Psychologen sind Idioten ?! (Kapitel 42)

In dem Frühstücksraum herrscht wieder mal das absolute Chaos. Alle reden durch einander, in einer Lautstärke, die sogar Tote aus ihren Gräbern zerren würde.
Ich setze mich auf meinen Platz und versuche das Müsli runter zu würgen, aber ich habe das Gefühl alles kommt gleich wieder Retoure. Reiß dich zusammen, denke ich, doch der Anblick von Mechthild macht mir Angst.

Immer wieder muss ich an gestern denken, an die Folgen für Kai und für mich.
Vielleicht kann ich ja mit Kai darüber reden, aber ich kann ihn nirgendwo sehen.
Plötzlich steht dieses Mädchen von Gestern hinter mir und flüstert mir etwas ins Ohr.

Dienstag, 5. Juli 2016

Gute Frage ?

Tätowiert, gepierct, gebrandet.
Gelackt, gelocht, getunnelt.
Kostümiert, silikoniert, blondiert.

Geritzt, geschlagen, gemobbt.
Ausgelacht, schlecht gemacht, gemieden.

Zu dick, zu dünn, zu doof, zu schlau.....

Sind wir nicht Alle ein bisschen Borderline?

Freitag, 1. Juli 2016

Psychologen sind Idioten ?! (Kapitel 41)

Wieder diese hässliche Fresse von dieser blöden Kuh.
Sie schaut ernst drein und zieht eine Augenbraue hoch. "Was ist denn hier los?"
"Äh... nichts", stammele ich.
"Kai, geh bitte. Ich möchte mit Lilly allein reden."
Kai sieht kurz zu mir rüber.
Ich schaue ihn traurig an. Er erwidert kurz den Blick, legt für einen kleinen Augenblick leicht den Kopf schief, setzt dann eine ernste Miene und geht mit leicht gesenktem Blick.
Mechthild folgt ihm mit ihrem Blick.
Als sich die Tür schließt, wendet sie sich mir ruckartig zu.
"Lilly, ich möchte, dass du mir auf der Stelle erklärst, was hier los ist."

Dienstag, 21. Juni 2016

Der Anfang vom Ende

Jedes Mal denke ich: "Ich habe es endlich geschafft."
Aber ich bin noch weiter von meinem Ziel entfernt als je zuvor.
Wieder sitze ich hier und starre auf den leeren Monitor.
Der Boden der Flasche mein einziger Freund -
und als ich die Augen schließe und das Ticken der Uhr höre, spüre ich, wie alles an mir vorbeizieht.

Was zum Teufel tu ich hier?
Keine Zeit mehr Fragen zu stellen.
Die Suche nach der Antwort längst aufgegeben.

Wieder ein Tag vorbei,
wieder nichts geschafft.
Wieder nichts gemacht.

Morgen ist wieder ein neuer Tag.
Und Stunden liege ich im Bett und frage mich:
"Denkst du auch so viel an mich wie ich an dich?"
Dann quäle ich mich in den Schlaf - durch all diese Träume.
Wohlwissend - sobald ich aufwache, kämpfe ich weiter mit dem Alptraum, der längst meine Realität geworden ist.

Sonntag, 5. Juni 2016

Psychologen sind Idioten ?! (Kapitel 40)

Ich frage mich, was früher meine Träume waren.
Früher in meinem anderem Leben.
Als ich noch ein kleines Kind war, zehn oder noch jünger.
Da muss ich doch Träume gehabt haben, so wie jedes Kind.
Ich versuche mich zu erinnern und irgendwie fühle ich mich plötzlich wieder so klein.
An der Hand meines Vater durch den Wald laufen.
Ein Eis essen, all die schönen Dinge, die man in Erinnerung behält, wenn man erwachsen wird.
Leider bin ich noch nicht wirklich erwachsen, obwohl ich es oft glaube.
Mein Alter war für mich noch nie wichtig.
Nie habe ich mich über meinen Geburtstag gefreut.
Ich wollte nie einen Geburtstagskuchen oder eine Party.
Keine Geschenke, oder einem Clown.
Ich hasse Clowns.

Freitag, 3. Juni 2016

Zerfressenes Ich

Mit Wut und Hass,
mit ausgefahrenen Krallen schreite ich durch das Leben.
Immer habe ich damit mein Ziel erreicht.
Willkürlich zermalme ich alles, was mir in den Weg kommt..

Rache auf alles und jeden brennt lichterloh.
Wie einen Mantel trage ich die Flammen.
Das Feuer verschlingt alles,
erhellt die Dunkelheit.

Nur die Glut glimmt noch in der ewigen Nacht.
Die letzten Funken, an denen ich versuche mich zu wärmen, verglimmen.
Es wird kalt -
Schatten und Finsternis strecken Ihre Finger nach mir aus.

Alles was übrig ist, bin ich.
Allein. Einsam. Verbittert.

Wer bin ich?

Sonntag, 10. April 2016

Psychologen sind Idioten (Kapitel 39)

Manchmal weiß ich nicht mehr, wer ich überhaupt bin.
Was macht mich aus?
Dass ich gestört bin? Meine Diagnosen?
Mich überkommt das Gefühl, dass ich mit Johannes reden sollte.
Aber ich will nicht.
Ich will nicht auf die Erwachsenenstation. Ich will nicht in die geschlossene Anstalt. Langsam spüre ich, wie mich ein tiefer Hass überkommt. Hass auf mich selbst. Hass auf alle, die mich für gestört halten. Hass auf meine Mutter, dafür, dass sie mich in die Klapse gesteckt hat. Hass auf meinen Vater, weil er mich allein gelassen hat.
Im Spiegel sehe ich dieses Mädchen. Das bin ich.
Meine Augen rot und leicht geschwollen vom Weinen.

Ich balle meine Faust. Ich bin nicht gestört! Ihr anderen seid alle gestört!

Donnerstag, 11. Februar 2016

Psychologen sind Idioten (Kapitel 38)

Langsam öffne ich die Tür und stehe auf dem Flur. Warum ist denn alles so still?
Ich höre ein leises Flüstern und werde neugierig. Ja - es kommt eindeutig aus der Küche.
Leise schleiche ich über den Flur, weiter zur Küche um besser hören zu können.
Es ist Johannes und Mechthild, meine Betreuerin, aber warum wird hier geflüstert?
Ich versuche noch etwas näher ran zu schleichen und jetzt höre ich ganz genau, dass sie über mich reden.
Wusste ich es doch! Diese falsche Schlange! Diese hässliche alte Kuh hat nichts besseres zu tun als über mich her zu ziehen.
Ich versuche noch ein Stück näher heran zu kommen um besser hören zu können.
"... in drei Tagen wird sie schon 17. Ich weiß nicht ob wir mit der Medikation weiter machen können,
vielleicht sollten wir sie schon als Erwachsene einstufen. Dann hätten wir ganz andere Möglichkeiten", sagt Johannes und ich sehe Mechthild mit dem Kopf nicken.

So eine große Scheiße, denke ich und versuche meine Gedanken zu sortieren.
Was bedeutet das nur? Andere Pillen? Stärkere?
Oder stecken die mich womöglich in die Geschlossene? Vielleicht sogar zu den Erwachsenen?!
Tränen laufen mir übers Gesicht und ich renne zurück in mein Zimmer.
Was jetzt, was soll ich tun?
Mein Kopf tut so weh, das ich anfange an meinen Haaren zu reißen.
Für kurze Zeit hilft das und ich reiße immer fester.
Plötzlich klopft es an der Tür und ich schaue auf meine Hand.
Ich halte ein dickes Bündel Haare in meiner Faust, unfähig sie zu öffnen.
"Lilly, schläfst du schon? "fragt Mechthild.
"Hau ab, lass mich bloß in Ruhe", schreie ich die Tür an, aber sie kommt einfach herein.

Sie schaut auf meine Hand, grinst mich an und geht wieder raus.
Ich denke noch, jetzt holt sie Johannes, aber nichts passiert.
Was ist hier eigentlich los?
Das war doch Mechthild, sie arbeitet hier, oder nicht?
Ich stehe auf sehe in den Spiegel, ein kleines Rinnsal Blut läuft an meiner Nase entlang.

Das ist mein Spiegelbild, das bin ich!
Aber wer zum Teufel ist sie?

Weiterlesen? => Psychologen sind Idioten ?! (Kapitel 39)

Mittwoch, 27. Januar 2016

Borderline #4 ( dunkle Poesie )

Oh, Seelenschmerz, du bittersüsse Sinfonie
im düsterem Nichts, im gestern und im Jetzt
vertrieben, nein vertrieben
wurdest du nie.
Du solltest ehren deine Mutter,
deinen Vater auch,
so wär es richtig,
so wär es Brauch.

Oh, Seelenschmerz konnt dich nie fassen
ein Schnitt, ein Riss, ein Rinnsal Blut
ich wollt dich hassen,
nur das tat gut.

Nun fließen schwarze Tränen
aus hohlen Augen immerfort
muss mich des Denkens schämen
wünsch mich für immer
an einen toten Ort.

Freitag, 15. Januar 2016

Psychologen sind Idioten ?! (Kapitel 37)

Die Tür geht auf.
"Lilly?... Lilly, was machst du da?"
Es ist Johannes' Stimme.
Ich setze mich auf und sehe ihn an.
Er sitzt vor dem Bett auf einem Stuhl.
"Wie geht's dir, Lilly?", fragt Johannes und sieht mich besorgt an.
"Naja... es geht."
"Willst du mir erzählen was passiert ist?"
"Ich... ich weiß es nicht.", bringe ich hervor.
Johannes runzelt die Stirn.
Ich werde nervös. "Ich kann mich an nichts erinnern", ergänze ich.
Er schüttelt langsam den Kopf.
"Wenn du so etwas noch einmal machst, müssen wir dich auf die geschlossene Station bringen, verstehst du? Willst du wirklich weg von den Freunden, die du hier gemacht hast?"
Freunde... Pah! Wer braucht so was schon? Niemand hier ist wirklich mein Freund. Die, die mich nett behandeln haben doch bloß Angst!
"Lilly?", er sieht mich eindringlich an, "Hörst du mir zu?"
"Äh... ja. Klar. So was kommt nicht wieder vor."
"Wenn es dir nicht gut geht oder irgendetwas ist, sprich bitte sofort jemanden an. Mach keine Alleingänge."
"Jaja..."
"Versprich es mir.", sein Blick wird ernst. Ich schlucke. "Ich... verspreche es." Das kommt mir echt schwer über die Lippen.
Sein Gesichtsausdruck wird freundlicher. Innerlich fällt eine Last von mir ab.
"Na gut, Lilly. Für heute bist du von deinen Pflichten befreit. Ab morgen geht es so weiter wie immer."
"Okay..." Uff... ich habe Besendienst; das hätte ich beinahe vergessen. Da habe ich voll keinen Bock drauf. Und eigentlich muss ich wieder zur "Schule". Diese scheiß Schule hier in der Klapse. Mit den anderen Verrückten von der geschlossenen Station in einem Raum. Da geht alles drunter und drüber.
Er steht auf und geht zur Tür.
"Wir sehen uns morgen zu unserem Gespräch, Lilly. Mach bitte keinen Unsinn."
"Okay. Bis morgen", sage ich und versuche zu lächeln.
"Bis morgen, Lilly."
Ich lasse meine Beine vom Bett baumeln.
Das ist doch alles scheiße. Warum kann ich nicht einfach normal sein? Ich mache eine Faust. So fest, dass es weh tut.
Überzeugt davon, dass ich das Richtige tun werde, stehe ich auf, gehe zur Tür und drücke die Klinke herunter.

Weiterlesen? => Psychologen sind Idioten ?! (Kapitel 38)

Donnerstag, 14. Januar 2016

Borderline #3

Gedanken haben viel Zeit
Zeit zu wachsen und einen zu überwältigen
Gefühle haben viel Macht
Macht über unser Handeln, über unser Leben
Ängste haben einen langen Atem
Nur ein kleiner Hauch schmeißt uns um
Trauer hüllt uns in schwarzes Nichts
Ein Nichts ohne Rückkehr
Dunkelheit lullt uns ein
weich und Watte-warm
Der Schmerz ist wohlig
wie eine Decke
Gedanken sind wie Worte
Worte die zu einer Geschichte werden
aber nur wenn man zuvor Sätze gelebt hat.