Mittwoch, 27. Mai 2015

Psychologen sind Idioten ?! (Kapitel 36)

Ich kann ihn nur anstarren, unfähig ein Wort zu sagen.
Er lächelt mich an und seine blauen Augen leuchten wie der Himmel und das Meer.
Ach du scheiße, was denke ich nur für einen Müll. Ich spüre die heiße Röte in meinem Gesicht.
"Mir ist schlecht", sage ich leise und gehe langsam zum Bett zurück.
Erst jetzt sehe ich die Blumen, die auf dem weißen Tisch stehen.
"Gut siehst du aus, ein bisschen blass, aber das bist du ja immer", er grinst und ich sehe seine makellosen weißen Zähne.
Ganz plötzlich finde ich mich langweilig. Wie ich so da liege und ihn anstarre.
Wie peinlich ist das denn, denke ich? Niemals habe ich bei ihm eine Chance. Niemals!
"Geh' einfach wieder", flüstere ich und drehe mich von ihm weg.
Ich höre wie er langsam aufsteht und dann...
Die Tür fällt laut ins Schloss.
Es ist ganz still und ich drehe mich zur Tür. Er ist weg, einfach gegangen.

Tränen steigen heiß in meine Augen, ich kann es nicht verhindern.
Da ist er wieder, dieser Schmerz, diese Angst und diese Traurigkeit.
Mein Vater hat früher auch oft geweint. Er dachte zuerst es sieht niemand.
Aber irgendwann hat er nicht mehr versucht es zu verbergen.
Ab dem Zeitpunkt habe ich gewusst, das mit ihm irgendwas nicht in Ordnung ist. Als ich meine Mutter fragte, warum Vater immer so traurig ist, hat nur mit dem Kopf geschüttelt und ist weg gegangen.
So viele Fragen hätte ich gehabt, aber ich habe mich nicht mehr getraut, sie darauf anzusprechen.
Ich wünschte Johannes wäre gerade hier. Er könnte mir bestimmt helfen. vielleicht mag er mich jetzt auch nicht mehr...
Aber er ist doch mein Arzt, er muss mir doch helfen können, oder kann mir niemand mehr helfen? Bin ich wie mein Vater?
Ich fühle den Verband an meinem Arm. Mit einem Ruck reiße ich ihn ab.
Ich will es sehen. Sehen was ich getan haben soll.
Was ich sehe kann mein Gehirn nicht glauben.
Ich muss den Würgereiz unterdrücken und wende meinen Blick ab.
War ich das wirklich? Und wenn ja, warum kann ich mich nicht daran erinnern?
Unsanft werde ich aus den Gedanken gerissen, als es wieder an der Tür klopft.
Schnell ziehe ich die Decke über meinen Kopf.


Weiterlesen? => Psychologen sind Idioten ?! (Kapitel 37)

Dienstag, 26. Mai 2015

Regen

Ich weiß noch genau, wie es begann.
Ich hatte mich geschminkt, meine neuen Klamotten angezogen, hatte schon die Türklinke in der Hand und dann ist es wieder passiert.
Unfähig mich zu bewegen, ich bekam einfach keine Luft mehr.
Ich zitterte so stark, das mir der Schlüssel aus der Hand auf den Boden fiel.
Der Schweiß lief mir am Hals runter, ich konnte nicht mehr klar denken.
Ein halbes Jahr habe ich mich in der Psychiatrie darauf vorbereitet.
Die Tabletten habe ich immer genommen, bin zu den Sitzungen gegangen, habe mich geöffnet, habe geübt und mich begleiten lassen.
Jetzt sitze ich hier, in meinem Hausflur und kann nicht rausgehen, kann nicht leben.
Ich höre den Regen.
Ich höre den Regen in meiner Seele.
In meinem Leben regnet es ohne Ende.