Mittwoch, 21. Mai 2014

Psychologen sind Idioten ?! (Kapitel 32)

Mit dem Blick auf den Ausgang gerichtet, gehe ich voran.
Nur noch ein paar Meter, dann bin ich da. Dann bin ich endlich frei…

Ich sehe, wie Samuel anscheinend schläft.
Ok, eindeutig schläft er, sonst würde er nicht so nervtötend schnarchen.
Mann, ich wusste gar nicht, dass das so einfach wird…
Ich widme meinen Blick wieder der Tür, die sich langsam schließt.
Warum ist die Tür offen? Ist die nicht normalerweise abgeschlossen?
Moment, wo ist das Mädchen hin?
Ach, kann mir doch egal sein...
Ich versichere mich, dass mich keiner bemerken wird und schleiche mich lautlos an ihm vorbei.

Dort angekommen, hole ich noch einmal tief Luft.
Ist das richtig so? Und wo soll ich dann eigentlich hin?
Ach, scheiß drauf. Ich finde schon was. Nach Hause kann ich jedenfalls nicht.
Ich öffne langsam die Tür, so dass die restlichen Nachtbetreuer mich nicht hören können und setze einen Fuß nach draußen.
Gleich ist es soweit. Gleich bin ich draußen.
Mein Puls rast wie wild vor Aufregung, als ich den letzten Schritt wage und die Tür wieder leise schließe.
Nur noch durch's Treppenhaus, dann weg von hier.

Ich gucke noch einmal nach, ob mich jemand sehen könnte und renne sofort die Treppe runter.
Mich wird eh keiner hören, wenn ich ein bisschen rumtrampel.
Unten angekommen sehe ich den Haupteingang. Dieser quietschgelbe Haupteingang mit den Plastikblumen...
Widerlich.
Ich bleibe stehen und mustere den Raum.
Er ist gelb, orange und grün eingerichtet. Schlimmer geht's nicht.
Ich bin echt froh, wenn ich hier weg bin. Das ist doch alles zum Kotzen.

Ich schreite weiter auf den Haupteingang zu und öffne die Tür, während ich sofort an den dunklen Himmel gebunden bin und den Mond, umgeben von Sternen, beobachte.
Meine Lunge füllt sich mit frischer Luft und ich muss schon fast zufrieden lächeln.

Nein. Nein, das kann so nicht richtig sein.
Was ist mit meinen Sachen? Und wenn sie mich finden, was dann?
Bestimmt werde ich dann noch länger dort festgehalten und komme vielleicht sogar auf die geschlossene Station.
Will ich das etwa?
Ich drehe mich wieder zur Tür und lege meine Hand an die Türklinke.
Im nächsten Moment fühle ich einen heftigen Schlag auf meinem Hinterkopf und falle zu Boden...

Ein entsetzlicher Schrei lässt mich zusammenzucken und ich öffne ruckartig meine Augen.
Es ist dunkel. So dunkel, dass ich nichts erkennen kann.
Mein Schädel tut höllisch weh und fühlt sich so an, als würde er in Brand stehen.
Ich versuche, mir an den Kopf zu fassen, doch es gelingt mir nicht.
Nachdem ich realisiere, dass ich irgendwo drangekettet bin, rüttele ich hektisch an den Ketten.
Ich sitze noch nicht einmal auf einen Stuhl oder so, ich stehe.
Noch nicht einmal hinsetzen kann ich mich, so stark werde ich nach oben gezogen.

Mir wird kalt.
Warum spüre ich meine Klamotten nicht mehr an mir?
Bin ich etwa nackt?
Und wo zur Hölle bin ich?!

Plötzlich schaltet jemand das Licht an, welches mich kurzzeitig erblinden lässt. Als ich wieder sehen kann, starre ich verwirrt mit zugekniffenen Augen nach vorne.
Dort steht wieder das Mädchen mit den blonden Haaren.

„Verdammte Scheiße. Sag mal, was willst du eigentlich von mir und warum tust du das?!“, brülle ich sie an. Ich spüre ein Brennen auf meiner Wange. Sie hat mich geschlagen – mit einer Gerte?
„Nicht in so einem Ton, du Zicke. Sonst hau ich dir noch eine rein“, ermahnt sie mich, „Um auf deine Frage zu antworten… Du warst ungezogen. Und ungezogene Mädchen müssen bestraft werden.“
Ungezogen? Was habe ich denn getan, dass die mich hier nackt und angekettet 'rumstehen lässt und mich mit einer Gerte verkloppt?
Sie geht langsam vor mir hin und her und schlägt mit der Gerte in ihre Hand.

„Du willst sicherlich wissen, warum du nackt bist und hier so erbärmlich hängen darfst...“, fängt sie an zu erzählen.
Ach, ich DARF also?
„Nun, das ist ganz einfach. Erstens, du kannst dich nicht wehren und wild rebellieren.“ Sie bleibt vor mir stehen und grinst mir gierig ins Gesicht. „Und zweitens… Wie könnte ich deinem wunderschönen und vernarbten Körper bloß widerstehen?“

Die will mich doch verarschen.
Bitte sag mir einer, dass diese Show hier ein Traum ist.

Sie holt erneut aus und die Gerte trifft mit einem lauten Klatschen auf meinem Bein auf.
Ich zucke zusammen und keuche. Mein Herz fängt an weh zu tun, als hätte sie nicht auf mein Bein geschlagen sondern in mein Herz gestochen. Gekrümmt vor Schmerz verfolge ich sie mit meinen Augen. Sie geht wieder vor mir hin und her.

„Wer bist du?“, frage ich.
„Wer ich bin?“ Sie sieht aus, als hätte sie schon lange auf die Frage gewartet und grinst wieder.
„Vielleicht bin ich ja eine Ausgeburt deiner Fantasie? Vielleicht bin ich eine längst von dir vergessene Person?“ Sie kommt mir näher und hält ihren Kopf neben meinen.
Ich spüre dieses begierige Grinsen und ihren kalten Atem an meiner Wange.
Warum genieße ich bloß ihre Gegenwart?

„Vielleicht bin ich auch einfach nur du“, haucht sie in mein Ohr.
„Ich? Was soll das…“
Sie schaut ernst auf den Boden direkt vor mir.
Meine Stimme verstummt. Ich senke meinen Kopf und folge ihrem Blick.
Vor meinen Füßen liegt ein Päckchen mit einer roten Schleife und einem Namen drauf
Als Absender steht auf einem Schildchen:
„In Liebe, Florian“.

Weiterlesen? => Psychologen sind Idioten ?! (Kapitel 33)

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