Samstag, 26. April 2014

Psychologen sind Idioten ?! (Kapitel 29)

Es ist unglaublich ruhig.
Als ich aufwache, stehe ich auf einer Straße.
Meine Mutter und mein Bruder neben mir.
Von hier aus hat man einen guten Ausblick.
Es scheint eine Straße zu sein, die auf einen Berg führt.
Kein Auto weit und breit. Kein Bürgersteig.
Ich stelle mich an die Leitplanke, hinter der es steil bergab geht und lasse meinen Blick über die Waldlandschaft streifen.
Ich drehe mich zu ihnen, versuche etwas zu sagen, aber kein einziges Wort kommt aus meinem Mund.
Meine Mutter und mein Bruder starren gebannt an mir vorbei auf die Landschaft.
Ich drehe mich wieder um und sehe wie am Horizont etwas passiert.
Genau kann ich es nicht erkennen, aber es kommt schnell näher.
Plötzlich realisiere ich, was das ist:
Eine gigantische Druckwelle kommt auf uns zu!
Bäume werden plattgedrückt, rausgerissen oder fliegen durch die Gegend.
Ich will meine Mutter und meinen Bruder anschreien, dass sie weglaufen sollen, doch statt dass Wörter aus meinem Mund kommen, fallen alle meine Zähne aus!
Ich werfe mich auf den Boden, jeden Moment einen riesigen Knall erwartend...

In dem Moment schlage ich meine Augen auf - Schweiß steht mir auf der Stirn.
Alles ist verschwommen.
Ich liege in "meinem" Bett - mit Fesseln fixiert.
Hektisch sehe ich mich um.
"Wollt ihr mich jetzt alle verarschen?!", schreie ich.
Ich reiße mit Händen und Füßen an den Fesseln, die mich am Bett festhalten.
Da tut sich nichts.
Plötzlich sehe ich ein vertrautes Gesicht genau vor mir und werde ganz ruhig.
Es ist Kai.
"Alles ist in Ordnung, mach dir keine Sorgen", sagt er mit angenehmer Stimme.
"Alles in Ordnung?! Bist du bescheuert? Ich bin am Bett festgekettet!", brülle ich ihn an.
Er sieht mich besorgt an, legt seine Hand auf meine und sagt ruhig: "Wir wussten nicht, wie du reagierst, wenn du aufwachst. Die Ärzte mussten dir starke Beruhigungsmittel geben. Kannst du dich an das erinnern, was passiert ist?"
Es rattert in meinem Kopf - er tut weh.

Ich reiße meine Augen auf und starre ihn an.
"Habe ich jemandem etwas angetan?!", platzt es aus mir heraus.
"Nein, es ist noch mal alles gut gegangen", erklärt er mir, während er mir ein paar Haare aus dem Gesicht streicht, "aber dein Zustand verschlimmert sich stetig."
Ich lasse meinen Kopf auf das Kissen sinken.
Kai steht auf und geht in Richtung Tür. - Ich sehe ihm hinterher.
"Mechthild kommt gleich und macht dir das Fixierband ab, damit du aufstehen kannst. Wir sehen uns später."
"Bis später", sage ich leise.
Es kommt mir vor wie eine Ewigkeit, aber dann geht die Tür endlich auf und Mechthild kommt herein. Ich war noch nie so froh, diese Frau zu sehen. Immerhin erinnert sie mich an meine Mutter.
Zumindest optisch. Leicht übergewichtig, ein bisschen länger als schulterlange, rot gefärbe Haare, eine ähnliche Frisur, ähnliche Gesichtszüge, eine Parfumwolke hinter sich herziehend...
Sie redet auf mich ein, mal wieder, während sie mich endlich von den Fesseln befreit.
Und ehe ich mich versehe ist sie schon wieder weg. Irgendetwas von Medikamenten hat sie gefaselt.
Die Tür geht wieder auf und sie drückt mir eine blau-rote Kapsel und ein Glas Wasser in jeweils eine Hand. So eine riesige Kapsel habe ich noch nie gesehen.
Wie soll ich das runterbekommen?
Ich sehe sie fragend an.
"Mach schon. Es sei denn, du willst wieder eine Spritze."
Ich nehme die Kapsel in meinen Mund und nehme einen großen Schluck Wasser.
Ganz langsam und schmerzhaft rutscht es mir die Speiseröhre herunter und ich verziehe mein Gesicht.
"In ein paar Minuten gibt es Essen", sagt Mechthild, nimmt mir das Glas aus der Hand und verschwindet wieder.
Langsam stehe ich auf. Meine Beine sind total wackelig. Was haben die mir schon wieder für Drogen verabreicht? Ich weiß es nicht.
Ich gehe ins Bad, schließe die Tür ab und wasche mein Gesicht.
Scheußlich fühle ich mich. Ich kann kaum nachdenken und das Pochen der Kopfschmerzen wird stärker.
Plötzlich werde ich von hinten umarmt.
Ich reiße mich los und fahre herum.
Dieses Mädchen schon wieder! Sie steht genau vor mir und es fühlt sich an, als würde sie mir mit ihren intelligent wirkenden, eisblauen Augen direkt in die Seele starren. Sie wirkt mager und hat sehr weiche Gesichtszüge.
Ich habe sie gesehen kurz bevor... mir wird schwindelig und meine Sicht verschwimmt.
Das Rauschen in meinen Ohren wird wieder lauter, meine wackeligen Beine lassen nach und ich muss mich am Waschbecken stützen.
Sie verpasst mir eine Backpfeife. "Was ist los mit dir?", sagt sie mit einer Stimme die durch Mark und Bein geht, "Wenn du so weiter machst, gehst du den Bach runter."
Erschrocken sehe ich sie an. Plötzlich ist alles unglaublich klar.
Mein Blick richtet sich langsam zur Tür, bei der ich sicher war, dass ich sie verschlossen hatte.
"Komm jetzt. Es gibt Essen", sagt das Mädchen, fährt sich mit einer Hand durch ihre blonden Haare und verschwindet durch die weit offen stehende Badezimmertür.
Ich bleibe wie versteinert stehen und starre ihr hinterher.
Ich lege meine Hand auf meine schmerzende Wange.
Langsam wäre eher die Frage interessant: Was habe ICH eigentlich geraucht?

Weiterlesen? => Psychologen sind Idioten ?! (Kapitel 30)

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