Dienstag, 8. April 2014

Psychologen sind Idioten ?! (Kapitel 27)

Immernoch im Gedanken bei Mechthild verlasse ich mein Zimmer und gehe mit gesenktem Kopf Richtung Küche.
Wieso habe ich nur immer das Gefühl alle würden mich anstarren?
Bin ich so was wie ein Monster oder hab ich Blut im Gesicht oder was?
Naja, scheiß drauf, denke ich und setze mich an den Tisch.
Mal wieder ein scheiß Tag, ich wünschte meine Mutter hätte eine Autopanne und das Gespräch mit Johannes würde nicht stattfinden. Aber bei meinem Glück passiert das garantiert nicht.
Mechanisch kaue ich auf dem Brötchen herum und fast verschlucke ich mich, als Kai freudestrahlend in die Küche kommt.
"Na, wie geht's?", fragt er und sieht mir direkt in die Augen. Das ist mir irgendwie peinlich, ich weiß auch nicht, warum mir so was immer peinlich ist.
"Geht so", presse ich hervor und fast fällt mir ein Stück Brötchen aus dem Mund. Wie peinlich ist das denn, denke ich und werde rot, das fühle ich sofort.
"Haben heute das Gespräch mit Johannes und meiner Mutter, vielleicht kann ich ja bald zurück.", murmele ich.

Zurück?, denke ich, wo soll das sein, dieses 'zurück'?
"Ok, dann mal viel Glück und halt die Ohren steif ", sagt Kai und verschwindet Richtung Flur.
Um 10 Uhr soll das Gespräch stattfinden - noch 15 Minuten. Ich trinke meine Cola im Stehen und gehe zu Johannes Bürotür.
Die Zeit zieht sich wie Kaugummi.
Plötzlich geht die Tür auf und Johannes steckt seinen Kopf durch den Spalt.
"Ach, da bist du ja schon, komm doch rein oder willst du hier draußen auf deine Mutter warten?", fragt er und sieht mich ernst an.
"Ich komme mit rein, wer weiß wann die auftaucht...", sage ich und schiebe mich an ihm vorbei.

Nach einer Ewigkeit erscheint dann meine Mutter. Hochglanzgestylt, Parfümnebelschwaden verteilend kommt sie hereingestürmt.
"Oje, bin ich etwa zu spät dran?", fragt sie grinsend.
Johannes schweigt und ich kann sie nur anstarren.
Meine Mutter! Wie immer - nur peinlich.
"Nein, nein, es wäre nur gut, wenn wir sofort anfangen könnten, ich habe heute noch viele andere Termine", sagt Johannes.

Ich nicke und meine Mutter sieht ihn lächelnd an.
"Ich versuche natürlich alles so verständlich zu erklären, wie es mir möglich ist. Das gesamte Team hat mehrmals über Lillys Situation gesprochen. Viele Diagnosen, ja, ich sagte viele, sind eindeutig. Andere dagegen sind noch etwas unklar. Lilly leidet eindeutig an einer posttraumatischen Belastungstörung. Darüber hinausgehend hat sich eine SVV-Störung (Selbst-Verletzendes-Verhalten) manifestiert, was allerdings keine eigenständige Diagnose beinhaltet. Sie zeigt eine akute Borderline-Persönlichkeitsstörung. Ebenfalls ist eine Schizophrenie nicht völlig auszuschließen.
Alles in Allem, können und dürfen wir Lilly in diesem Zustand nicht gehen lassen. Sie ist eine Gefahr für sich und für Andere. Es tut mir wirklich sehr leid", sagt Johannes und atmet tief ein.

Ich starre ihn an. Alles wird rot, fängt an zu rauschen und ich habe nur noch den Wunsch zu töten.
Alle die hier sind zu töten, egal wie.

Weiterlesen? => Psychologen sind Idioten ?! (Kapitel 28)

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