Samstag, 2. November 2013

Psychologen sind Idioten ?! (Kapitel 23)

Ich schnappe mir meine Tasche und meine Geschenke, die immer noch ungeöffnet auf dem Boden liegen und renne nach unten. Mein Bruder steht am Ende der Treppe und scheint auf mich zu warten.
"Was willst du?" frage ich ihn und merke selbst wie aggressiv das klingt.
"Ich? Ach nichts", sagt er und sieht weg.
"Ok. Bis dann mal!", rufe ich zum Abschied über die Schulter und schon bin ich im Auto.
"Kann's losgehen?", fragt meine Mutter, ich nicke ihr zu und schon fährt sie los.
Irgendwie geht jetzt alles zu schnell, sogar die Bäume am Straßenrand rauschen an uns vorbei.
Ich möchte schreien: "Fahr doch langsamer - ich möchte noch bei euch sein!"
Doch ich kann es nicht. Mein Herz tut mir weh und ich bekomme schon wieder Kopfschmerzen. Angst und Einsamkeit kriechen an mir hoch.
Ich versuche zu schlafen, doch meine Mutter redet unaufhörlich auf mich ein.
Von dem was sie sagt verstehe ich kein Wort.

Ich denke an meinen toten Bruder, an das Boot, an Weihnachten...
Das Auto bleibt stehen und ich höre meine Mutter fröhlich sagen: "Wir sind da."
Als hätten wir einen Sonntagsausflug gemacht oder sowas.
Ich weiß auch nicht, was sie sich dabei denkt.
Es ist schon dunkel und aus den Fenstern scheint warmes Licht nach draußen.
Irgendwie bin ich erleichtert wieder hier zu sein und doch bin ich auch traurig, das ich hier sein muss.
"Soll ich mit reinkommen?", fragt meine Mutter.
"Nein, lieber nicht", sage ich. Sie soll nicht merken, wie traurig ich bin.
Niemand soll es merken. Niemals.

Ich gehe rein ohne mich nochmal um zu drehen und höre das Auto wegfahren.
Als erstes fällt mir der Tannenbaum auf, der im Flur steht. Schön geschmückt, mit roten Kerzen und blauen Kugeln. Unter dem Baum liegen Geschenke und im vorbei gehen lese ich meinen Namen.
Scheiß drauf, denke ich und versuche so schnell wie möglich in mein Zimmer zu kommen. Jemand ruft mich und genervt drehe ich mich um.
Es ist Johannes, der mich freudestrahlend ansieht.
"Hallo, Lilly, hattest du eine schöne Zeit zu Hause?", erwartungsvoll sieht er mich an.
"Geht so", sage und drehe mich weg. Schnell gehe ich in Richtung meines Zimmers.
Ich spüre seinen Blick in meinem Nacken und gehe noch etwas schneller.
In meinem Zimmer angekommen schließe ich hastig die Tür hinter mir.
Meine Zimmergenossin ist noch bei ihren Eltern.

Endlich allein, denke ich und werfe die Weihnachtsgeschenke auf mein Bett.
Fast im selben Moment sehe ich ein Päckchen auf dem Stuhl liegen.
Eingepackt in braunem Papier, mit einer roten Schleife.
Ich sehe es mir an und mein Herz schlägt schmerzhaft gegen meine Rippen. Meine Augen füllen sich mit Tränen und mir wird schlecht.
Das kann nicht sein, denke ich.
Auf der Karte steht: "von Florian - für Lilly".

Leise klopft es an der Tür und ein blonder Junge mit strahlend blauen Augen steckt seinen Kopf zur Tür herein.
"Hey, ich bin Kai, der neue Praktikant, darf ich reinkommen?"
Mein Mund ist ganz trocken, ich starre ihn an und kann nur nicken.

Weiterlesen? => Psychologen sind Idioten ?! (Kapitel 24)

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