Montag, 28. Oktober 2013

Mein Ich

Im Wald umherirren,
versuchen zu denken.
Antworten suchen, sie finden,
dann wieder vergessen, liegen lassen.
Gefühle pflücken, wie Blumen in eine große Vase stellen,
bis sie vertrocknen.
Einsamkeit erzwingen.
Ertrinken in Wut und Verzweiflung.
Schubladen auf machen, vollpacken mit Selbstmitleid
und angestautem Hass,
dann wieder zu machen um sie immer wieder zu öffnen.
Gefühle die einen zum Wahnsinn treiben,
die einen lehren,
sich selbst zu zerstören.
Ein Leben mit mir und meinen verlorenen Träumen,
das Leben lernen müssen.

Samstag, 26. Oktober 2013

Psychologen sind Idioten ?! (Kapitel 22)

Ich sehe noch immer dieses Lächeln im Spiegel.
Ich betrachte mich genau, aber es kommt mir vor, als sei die Person im Spiegel nicht ich.
Meine Augen fühlen sich komisch an und ich fange an zu reiben.
Manchmal weiß ich gar nicht mehr, was wirklich passiert und was nicht...
Ich versuche mich zu erinnern: Was ist an Weihnachten passiert?
Nichts. Ich kann mich an nichts mehr erinnern. War überhaupt schon Heiligabend?
Fragend sehe ich mich um, um irgendetwas zu finden, was mir hilft, mich zu erinnern oder irgendwelche Zeichen gibt.
Wie erwartet: Ich finde nichts. Alles ist genau wie immer. Wie jeder verdammte Tag, den ich hier verbracht habe. Irgendwie bin ich traurig, aber ich fühle, wie etwas dieses Gefühl unterdrückt.
Ich öffne meine Zimmertür.
Jetzt sehe ich es: im Flur vor meiner Zimmertür sind ein paar Geschenke gestapelt:
zwei kleine und ein etwas größeres. Eingepackt in weihnachtliches Geschenkpapier. Mit Tannenbäumen, Rentieren und so was.
Meistens bekomme ich eh nur Mist geschenkt.
In Gedanken versunken versuche ich wieder, mich zu erinnern...
 
"Oma? Warum ist Papa eigentlich so geworden, wie er war?"
"Weißt du, Lilly... vor deiner Mama war er schon mal verheiratet. Und er hatte mit der anderen Frau bereits einen Sohn. Er war fast 4 Jahre alt...", erzählt sie langsam und ruhig.
"War?", frage ich mit großen Augen. "Was ist passiert?!"
"Seine damalige Frau und ihr gemeinsamer Sohn starben. Sie sind bei einem Motorbootunfall gestorben. Er hat sich dafür immer die Schuld gegeben."
Ich sehe Tränen in ihren Augen.
Es berührt mich nicht. Ich spüre Traurigkeit. Ich will schreien - ich will weinen. Aber es geht nicht. Ich kann sie nur anstarren.
"Aber... wie ist das passiert?", frage ich mit zitternder Stimme.
"So, wie er mir das erzählt hat, passierte das im Urlaub. Das ist jetzt schon über 20 Jahre her... Er ist einfach zu schnell gefahren. Du weißt doch, wie Männer sind. Sein Sohn... Mathias hieß er... er fiel ins Wasser. Und die Mutter sprang natürlich sofort hinterher."
"Moment mal... heißt das, ich hätte noch einen großen Bruder gehabt?!"
"Ja, das heißt es, mein Kind... - Sie sind beide ertrunken. Ein riesiges, vorbeifahrendes Schiff hat die beiden erfasst."

Ich falle auf die Knie.
Ich vergrabe mein Gesicht in meinen Händen und Tränen rollen mir über die Wangen.
Warum weine ich?... Die Tränen hören nicht auf zu fließen.
Ich schaue auf.
Vor mir sehe ich meine Geschenke unausgepackt liegen.

"Lilly? Bist du fertig? Wir fahren gleich los.", ruft meine Mutter von unten hoch.
Ich wische mir die Tränen aus dem Gesicht, setze ein Lächeln auf und antworte, als sei nichts gewesen: "Ich komme sofort."

Weiterlesen? => Psychologen sind Idioten ?! (Kapitel 23)