Donnerstag, 11. Juli 2013

Psychologen sind Idioten ?! (Kapitel 21)

Meine Füße sind immer noch eiskalt und wie aus weiter Ferne höre ich meinen Namen.
Ich versuche mich zu konzentrieren. - Ja, jemand ruft nach mir.
Ich kann meine Augen nicht öffnen und einige Sekunden lang glaube ich, ich sei blind.
"Lilly, du musst aufstehen", jetzt höre ich es ganz deutlich, es ist die Stimme meiner Mutter.
Mit aller Kraft öffne ich meine Augen und was ich sehe verwirrt mich.
Ich sehe einen kleinen Eisbären, der mir eine rote Rose entgegenstreckt.
Ach du Scheiße, denke ich, jetzt bin ich wirklich total abgedreht.
"Lilly - wir müssen gleich los", ruft meine Mutter noch mal.
Sie kommt in mein Zimmer, in der Hand hält sie ein Glas Saft und meine Pillen.
Seitdem ich hier bin, achtet sie genau darauf, das ich die verdammten Dinger schlucke.
Wie im Knast, denke ich.
Zeig mir deine Hände, mach den Mund auf, sind auch alle weg und so weiter.

Erst jetzt wird mir bewusst, wo ich eigentlich bin.
Wie ein kleines Kind liege ich im Bett. Mit einem Eisbärschlafanzug und einem Kuschelkissen aus rosa Plüsch neben mir.

"Komm schon, du musst die Tabletten nehmen, wir wollen doch nur dein Bestes", sagt meine Mutter mit einer Stimme, die mir Angst macht.
Sie spricht mit mir, wie mit einer Verrückten; so wie sie damals mit meinem Vater gesprochen hat.
Ich schlucke die Tabletten runter. Was soll's?, denke ich.
"Dann zieh dich mal an, in zwei Stunden müssen wir los",sagt sie und geht wieder nach unten.
Langsam stehe ich auf und sehe in den großen Spiegel.
Ich sehe aus wie früher. Wie früher, als alles noch gut war, Als ich noch Ich war.

Die welligen Haare stehen in alle Richtungen und meine grünen Augen hab' ich wohl von meinem Vater geerbt. Nur die vielen Narben waren früher noch nicht da.
Plötzlich spüre ich, wie die Traurigkeit in mir hochkriecht.
Wie eine riesige Schlange windet sie sich um meinen Hals und versucht mich zu erwürgen.
Die Medikamente machen mich schwach und ängstlich, denke ich und in dem Moment beschließe ich, nie wieder nehme ich diese Pillen.
Egal, was passiert.
Ich lächle mein Spiegelbild an und freue mich sogar ein wenig.

Weiterlesen? => Psychologen sind Idioten ?! (Kapitel 22)

Sonntag, 7. Juli 2013

Psychologen sind Idioten ?! (Kapitel 20)

Ich wache auf.
Mein Kopf dröhnt und mein Herz rast.
Ich höre von unten lautes Gelächter und Musik.
Was ist heute nochmal für ein Tag?
Ach ja, es ist Weihnachten...
Meine "wundervollen" Verwandten sind da und es geht wieder dieses scheinheilige Familiendasein los.
Wie toll.
"Lilly, bist du schon wach?", ruft meine Mutter hoch, "Komm doch runter. Es sind schon alle da."
Schleppend stehe ich auf und ziehe meine Schlabberklamotten an. Auf Kleidchen und Schleifchen habe ich keinen Bock. Darauf habe ich sowieso nie Bock. Ich stehe auf übergroße Männerpullis und weite Hosen.

Ich gehe ins Bad.
Ich fühle mich so dreckig.
Bestimmt werde ich krank... - Und wenn schon.
Ich wasche mein Gesicht und bürste danach meine verknoteten Haare.
Ich mag sie nicht. Sie wären schöner, wenn sie dunkler wären.
Am liebsten hätte ich auch größere Brüste... Und wäre gerne dünner.
Ein flacher Bauch, große Brüste und lange, schwarze Haare.
Das wäre so perfekt. Dann würde ich mich wenigstens trauen, engere Kleidung zu tragen.
Aber scheiß drauf, man kann ja nicht alles kriegen, was man will.

Nachdem ich mir meine Zähne geputzt habe und meine Hausschuhe angezogen habe, gehe ich verschlafen die Treppe herunter.
Unten angekommen, merke ich, wie ich angestarrt werde.
Da sind sie ja alle: Meine Tante mit der Hakennase, mein Onkel mit dem fetten Bierbauch,
meine klapprigen Großeltern, meine ach so perfekte Musterschülerin von Cousine,
mein Cousin Edward und mein anderer Cousin, der eh aussieht wie der letzte Vollidiot.
Alle gaffen sie.
Warum glotzen die mich so an? Die haben sicherlich andere Probleme, als sich Gedanken über mich zu machen.

"Du bist aber groß geworden", darf ich mir von meiner Großmutter anhören.
Ist ja nicht so, als hätten wir uns vor einem Jahr das letzte Mal gesehen.
Gewachsen bin ich auch nicht...
Alles reden sie auf mich ein mit ihrem "Wie geht es dir?" und "Schön, dass du da bist",
als würde ich nicht merken, dass dieses nette Verhalten bloß schlecht gespielt ist und mich keineswegs beeindruckt.
Ich fühle mich unwohl. So unwohl, wie fast noch nie. Und überfordert.


"Du bist aber fett geworden", wirft mir meine Cousine an den Kopf, "Bist du immer noch so ein Versager?"
Dieses elende Miststück. Ich wünsche, sie würde endlich verrecken.
Angenervt von ihrer Dreistigkeit, mich so scheiße zu behandeln, überkommt mich das Bedürfnis, ihr weh zu tun.
So richtig weh zu tun, dass sie auf dem Boden liegt und heult. Sie soll bluten.
Ohne mein Verlangen zu zügeln, hole ich aus und schlage mit voller Wucht in ihr hässliches Barbiegesicht - direkt auf ihre Nase.
Sie hält sich ihr Gesicht und fängt an zu weinen.
Blut tropft an ihrem Kinn herunter.
"Spinnst du?!", brüllt mich meine Tante an.

Es beeindruckt mich wenig, weil ich dieses Weib nicht ernstnehmen kann.
Ohne zu zögern schlendere ich zur Tür, schnappe mir meine Jacke und gehe aus dem Haus.
Ich will rennen. Ganz schnell, bis ich nicht mehr richtig atmen kann.
Also renne ich, so schnell ich kann, in den Wald, denn das ist der einzige Ort, wo ich mich halbwegs wohlfühle. Dort ist es ruhig. Dort ist niemand, der mich verletzen kann.

Als ich ankomme, kann ich kaum atmen und breche fast zusammen.
Ich hasse sie, jeden einzelnen. Ich mochte sie noch nie.
Ich will doch nur, dass mein Vater wieder da ist.
Dann wäre alles wieder ok, dann wäre alles wieder gut.
Hätte er sich nicht aufgehangen...
Ich fange wieder an zu heulen.

Immer noch bekomme ich kaum Luft.
Meine Füße fangen an zu brennen und ich schaue auf sie hinab.
Ich hätte mir erst meine Schuhe anziehen sollen...
Keine Wunder, dass sie unterkühlt sind und schmerzen.
Aber irgendwie ist es mir dann doch egal.

Ich richte meinen Kopf nach vorne und gehe den Weg entlang.
In der Ferne ist eine Laterne. Im Lichtschein von ihr befindet sich eine Person.
Irgendwie bekomme ich Angst und bleibe stehen.

Ich versuche wegzurennen.
Aber ich kann meinen Körper nicht beherrschen und bin wie angewurzelt.
Ich beobachte die Silhouette der Person.
Es scheint, als würde sie mich anstarren.
Mir ist so kalt...


Weiterlesen? => Psychologen sind Idioten ?! (Kapitel 21)

[Gastbeitrag von Lillith]

Psychologen sind Idioten ?! - Charakterenliste

Du hast den Überblick verloren?
Hier gibt es eine Liste aller bisher vorgekommenen Charaktere.
Diese Liste wird im Fortlauf der Geschichte ergänzt.
Zusätzlich werden dort in einiger Zeit Eigenschaften über die Charaktere gelistet sein.

http://simsim-nureinblog.blogspot.de/p/hintergrundinformationen-zu-psychologen.html