Freitag, 22. März 2013

Gedankensystem Teil 9 - Ignoranz und Gleichgültigkeit

Ignoranz und Gleichgültigkeit haben wenig miteinander zu tun, aber haben einen ähnlichen Effekt und ähnliche Merkmale.
Viele behaupten immer, Liebe wäre das Gegenteil von Hass, das ist es aber nicht.
Das Gegenteil von jedem Gefühl ist die Gleichgültigkeit.
Da Liebe und Hass sehr starke Gefühle sind, ist das Gegenteil auch eine entsprechende Gleichgültigkeit.
Gleichgültigkeit bedeutet, dass man etwas kennt, sich dessen bewusst ist, es einen aber schlicht nicht berührt oder interessiert.
Also, rein gar nicht.
Beispiel: Der Exfreund hat eine Neue, aber es ist mir egal.
Ignoranz ist das wissentliche Unterdrücken von Wissen, Gefühlen, etc.
Wenn man eine Gleichgültigkeit erzwingen will, führt dies oft zu Ignoranz.
Beispiel: Der Exfreund hat eine Neue, aber es ist mir nur egal, weil ich will, dass es mir egal ist, obwohl es mich eigentlich interessiert.
Warum entsteht willentliches unterdrücken von Wissen oder Gefühlen?
Ganz einfach: Weil die Wahrheit zu schmerzhaft und zu aufwändig ist.

Beispielgeschichte:

Peter und Stefanie unterhalten sich.
Stefanie beschwert sich ausgiebig über ihren Französisch-Lehrer, Herr Beispiel.
Peter: "Du hast es dir doch ausgesucht, oder nicht?"
Stefanie: "Ach was… Ich habe mir ausgesucht, mein Abitur zu machen, aber nicht Herr Beispiel!"
Peter: "Wenn es dich so sehr stört, warum hast du nicht den Kurs gewechselt. Oder gleich die Schule?
Im Grunde genommen hast du es selbst zu verantworten."
Stefanie: "Das alles nur um dem aus dem Weg zu gehen? Dann lieber das kleinere Übel in Kauf nehmen!"
Peter: "Siehst du? Also willst du bei ihm Französischunterricht haben."

Stefanie: "Schwarz-Weiß-Denken hat noch niemandem geholfen."
Peter: "Ich halte es nicht für Schwarz-Weiß-Denken."
Stefanie: "Was ist es dann?" 

Peter: "Verhaltensbeurteilung. - Du triffst in deinem Einflussbereich - du könntest ebenso den Kurs oder die Schule wechseln - die Entscheidung, bei Herr Beispiel Französischunterricht zu nehmen, um deine Interessen zu verwirklichen - dein Abitur -, dabei ist es dir zu schwierig, dir eine Alternative zu suchen und deswegen willst du bei Herr Beispiel Französisch lernen. Du könntest es ändern, willst du aber nicht. "
Stefanie: "Es ist mir nicht zu schwierig eine Alternative zu suchen, die Alternative erscheint mir als schlechtere Wahl. Ob ich Unterricht bei ihm will oder nicht, beeinflusst das doch nicht."
Peter: "Aber du willst die - in deinen Augen -'gute Wahl'. Also willst du den Unterricht bei Herr Beispiel."


Es ist wohl nicht zu übersehen, dass Stefanie wissentlich die Aussagen von Peter darüber, sie könne doch entscheiden, ignoriert.
Denn es ist einfacher, seine Probleme von der gegebenen Umgebung abhängig zu machen, als sich selbst darüber Gedanken zu machen.
Ich wurde gefragt, ob man sich Gleichgültigkeit beibringen kann - natürlich kann man das.
Das ist sogar recht einfach. Aber sollte man sich nicht Fragen, ob das wirklich Sinn und Zweck der Sache ist?
Wer interessiert sich noch für mich, wer hört mir noch zu, wenn mir für andere Menschen wichtige Dinge egal sind?
Natürlich gibt es Dinge, die uns gleichgültig sind, auch wenn wir das nicht zeigen.
Aber Ignoranz zeugt von Starrheit und Beschränktheit.
Sich selbst zu beschränken halte ich für einen großen Fehler.
Eine eigene, wirklich eigene Meinung ist eins der Wichtigsten Dinge in unserer heutigen Gesellschaft.
Nimmt man sich selbst die Freiheit zu denken, verfährt man sich in den eigenen, alten Denkschemen oder andere übernehmen das Denken für einen.

Zurück zur eigentlichen Frage - wie bringe ich mir das bei, ignorant und gleichgültig zu sein?
Ganz einfach: Man redet sich einfach so lange ein, dass etwas so ist, wie man es haben möchte, bis man selbst daran glaubt.
Das funktioniert sehr gut und nicht nur im Bezug auf dieses Thema.
So erschafft man sich seine eigene "heile Welt".
Irgendwann verwischen sich die Begriffe der Ignoranz und Gleichgültigkeit ineinander.
Wenn man bloß so ignorant ist, dass man seine eigene Ignoranz weder sieht, noch etwas davon wissen will, wird man "pseudogleichgültig". - Man denkt selbst, es wäre einem egal und tief in einem brodelt es, ohne, dass man es überhaupt merkt.
Dies ist auf Dauer eine sehr starke Belastung für unseren Körper und unsere Psyche.
Mit diesem Wissen mag nun jeder tun und lassen, was er möchte.
Aber denkt bitte vorher darüber nach, was ihr erreichen wollt.

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