Freitag, 22. März 2013

Gedankensystem Teil 5 - Intuition, Realismus und Prinzipien als Wegweiser (1)

Vorab noch mal zu Prinzipien (Link zu älterem Blogeintrag): Leuchttürme
Das mag nun sehr schwierig zu verstehen sein, aber Prinzipien sind die eigentlichen Fundamente für alles, was wir tun, wie wir Denken, wie wir Handeln.
Leider werden "Prinzipien" falsch verstanden.
Oft hört man "Es geht ums Prinzip!", aber was ist eigentlich ein Prinzip?
Prinzipien sind (paradigmenbehaftete) feststehende Fakten.
Es sind Gesetzmäßigkeiten, wenn man es so nennen will.
Vertrauen als Grundlage einer erfolgreichen, dauerhaften, zwischenmenschlichen Beziehung ist ein Prinzip. 
Dazu eine kleine Geschichte:
Peter ist mit Stefanie zusammen, sie sind ein glückliches Paar.
Aber Peter hängt an seiner Exfreundin, Kimberly. Zwar nicht gefühlsmäßig, aber sie verstehen sich gut.
Kimberly und Peter hatten lange keinen Kontakt und nach einiger Zeit schreiben die beiden ein paar Worte miteinander.
Stefanie ist natürlich aufmerksam und bekommt das sofort mit.
Ein Streit bricht zwischen den beiden aus:
"Wie lange geht das mit euch schon wieder?", raunt Stefanie Peter an.
"Vor ein paar Wochen habe ich sie in Facebook gesehen und vor Kurzem wieder geaddet", antwortet Peter.
"Na gut, dann adde ich jetzt auch ein paar meiner Exfreunde und schreibe mit denen, mal sehen, wie du das dann findest."
"Okay, dann lösche ich sie wieder..."
"Du verstehst das nicht. Es geht ums Prinzip! Wie würdest du dich fühlen, wenn ich mit einem Ex schreibe, obwohl ich dir vorher gesagt habe, dass ich keinen Kontakt mehr mit ihm habe?" [...]
An dieser Stelle möchte ich erklären, dass ein Prinzip aus der Sichtweise von anderen Menschen ganz anders wahrgenommen werden können.
Auch, wenn Stefanie es als Prinzip sieht, dass Peter nicht mit seiner Exfreundin zu schreiben hat, wenn er vorher gesagt hat, dass er das nicht tun würde, kann das aus Peters Sicht ganz anders aussehen.
Der Umstand, dass kein Kontakt besteht, kann laut seiner Behauptung zu dem Zeitpunkt einen momentanen Zustand dargestellt haben und sagt nichts über die Zukunft aus. Vielleicht bestand sogar zu dem Zeitpunkt bereits der Wunsch, Kontakt zu Kimberly zu haben.
Aber welches Prinzip steckt nun wirklich dahinter?
Hierbei handelt es sich um ein sogenanntes "Pseudoprinzip".
Das ist eine Verallgemeinerung von einem bestimmten Tatbestand.
Dieses Prinzip kann sich halten, wenn man sich das nur fest genug einbildet.
Stefanie mag dieses "Prinzip" zwar als Vertrauensbruch sehen, da Peter mit Kimberly schreibt, obwohl er vorher doch sagte, dass er das nicht tue, dabei handelt es sich hier nicht um ein Vertrauensbruch, sondern einfach nur um misslungene Kommunikation.
Natürlich muss man auch im Bezug auf Prinzipien realistisch bleiben.
Prinzipien ohne Hand und Fuß aufzustellen, um sich an etwas klammern zu können, mag in manchen Situationen hilfreich sein, aber auf Dauer können diese Pseudoprinzipien die komplette Kommunkation zu den Mitmenschen weitgehend stören.

Aber wie verhindere ich so etwas bei mir selbst?
Ich verweise auf die Intuition, die ich Ende von Gedankensystem Teil 4 als "ein Gefühl, auf das man sich verlassen kann" bezeichnete. Ein Wegweiser, auf den man sich verlassen kann.
Die Intuition kann man nur ausbauen, indem man Erfahrungen macht.
Die meisten und wirklich einprägenden Erfahrungen macht man, indem man Fehler macht.
(An dieser Stelle könnte man weitgehend darüber spekulieren, was "Fehler" an sich sind und bedeuten und ab wann etwas als Fehler gilt, aber darüber eventuell im nächsten Kapitel mehr)
Vergessen ist das Schlimmste, was man tun kann.
Wenn man etwas getan hat, dann hat man das (normalerweise) nicht ohne Grund getan.
Auch, wenn man das im Nachhinein ganz anders sehen mag, muss man sich immer auf die spezielle Situation zurückbeziehen.
Das mag schmerzlich sein und man muss Acht geben, sich nicht auf Sachen wie "Was wäre passiert, wenn..." oder "Hätte ich doch lieber..." festzufahren.
Viel wichtiger ist es, diese Sachverhalte, die einem, besonders in geballter Form, starke psychische Probleme bereiten können, wirklich rational zu analysieren und darüber nachzudenken, was man daraus lernen kann und in Zukunft in einer ähnlichen Situation besser machen kann.
Die Vergangenheit kann man nicht ändern.
Wer nachträglich mit sich selbst ist, nimmt sich selbst die Möglichkeit zur Verbesserung.
Natürlich gibt es Umstände, die eine gewisse Zeit benötigen, um verarbeitet zu werden.
Aber wer sich wegen kleinen Unstimmigkeiten ständig in die Haare bekommt und das immer wieder aufgreift, schiebt eine riesige Welle vor sich her, die einen irgendwann übertürmt und erschlägt.
Man muss es als Vergangenheit akzeptieren, was vergangen ist und es als Erfahrung sehen, die es wert war, gemacht zu werden.
Besser schwierige Situationen und schlechte in der Vergangenheit erlebt haben und damit umgehen lernen, als in der Zukunft davon übermannt zu werden.
Man darf nie vergessen, dass die einzige Person, die einem wirklich helfen und einen überhaupt richtig verstehen kann, man selbst ist.
Akzeptiert man sich selbst nicht, versteht man sich selbst nicht, kann sich selbst nicht lieben und kann man sich selbst nicht leiden, fällt genau das auch anderen Leuten schwer.

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