Freitag, 22. März 2013

Gedankensystem Teil 4 - Paradigmenbehaftetes Denken

Nachdem ich etwas über meine Beziehungen losgeworden bin, will ich etwas anderes über meine Gedanken erzählen.
Es ist sehr schwierig, die Gedanken anderer Menschen nachzuvollziehen und die Welt durch ihre Augen zu sehen. Besonders bei mangelnden Informationen.
Das habe ich mittlerweile so lange trainiert, dass Menschen für mich oft gläsern wirken.
Man sollte denken, dass mir das im Umgang mit anderen Menschen hilft, aber oft ist das Gegenteil der Fall. Warum? Weil ich weiß, was jemand denkt und es lange für richtig hielt, zu versuchen, die Denkweise der anderen Menschen zu ändern.
Aber das vermag weder ich, ein Psychotherapeut, noch Angela Merkel.
Seine Denkweise kann man nur selbst ändern.
Nehmen wir eine einfache Konfliktsituation, die verhältnismäßig oft vorkommt:
Man fühlt sich vernachlässigt von jemandem, der einem viel bedeutet und ist dadurch zutiefst verletzt.
Was wird man in der Regel in einen Konflikt mit der Person treten, indem man ihr, wahrscheinlich im genau falschen Moment, nämlich wenn die Situation gerade gespannt ist, Vorwürfe an den Kopf wirft: "Nie hast du für mich Zeit!"/"Du kümmerst dich gar nicht um mich!".
In diesem Moment fängt eine hitzige Diskussion an, bei der es wichtig ist, die Ruhe zu bewahren.
Wichtige Fragen, die man sich für solche Momente im Kopf behalten sollte sind:
"Was will ich in dieser Diskussion/dem Streit erreichen?"
"Warum fühle ich so, wie ich es gerade tue?"
"Wie denkt mein Gegenüber darüber?"
Ich kann mich dafür oder dagegen entscheiden, verletzt oder aggressiv zu reagieren.
Was davon die richtige Möglichkeit der Auseinandersetzung ist, hängt von der Häufigkeit solcher Situationen (im Bezug auf die gleiche Person) und dem Temperament des Gegenübers ab.
Die Standarddevise sollte sein, das Thema möglichst auf einer Sachebene zu klären, was oft äußerst schwierig erscheint, da Gefühle im Spiel sind.
Kehren wir an dieser Stelle zum Pro-Aktiven Denken zurück.
Ich bin Herr über mich und meine Gefühle und habe die Fähigkeit, nach außen zu wirken.
In dieser Situation ist es wahrscheinlich sinnvoll mich dagegen zu entscheiden, der anderen Person Vorwürfe zu machen oder ein Ultimum zu stellen.
Was erreiche ich mit Vorwürfen? Ich greife mein Gegenüber an, eine entsprechende Verteidigungsreaktion ist also zu erwarten. Will ich keinen Gesprächspartner in Verteidigungsposition, sollte ich das vermeiden, denn dann ist es nahezu unmöglich, noch an sie heranzukommen.
Aber was kann ich stattdessen tun? Wichtig ist es, sich selbst im Griff zu halten und jetzt die Sichtweise des Gegenübers einzunehmen. Ist dies nicht möglich, aufgrund mangelnder Informationen, kann ich Fragen stellen, um diese Informationen zu erhalten.
Natürlich müssen diese gezielt, aber nicht verletzend oder eindringlich sein.
Im Bezug aufs Beispiel, wäre die Frage, warum die Person meinem Gefühl nach zu wenig Zeit mit mir verbringt, angebracht, um die Sichtweise zu ermitteln. Sind diese Gründe, die mir geliefert werden, genug, um mich damit zufrieden zu geben, kann diese Situation damit beigelegt werden, was aber zu keiner Veränderung in der Zukunft führen würde.
Will ich eine Veränderung bewirken, also, dass die Person sich mehr Zeit für mich nimmt, muss ich mir überlegen, ob das überhaupt möglich ist und im Interesse des Gegenübers liegt.
Wenn nicht, funktioniert das schlicht und einfach nicht.
Daran ist nichts zu rütteln.
Ist beides nicht der Fall, kann ich versuchen, Kompromisse zu schließen oder die Person in die Richtung zu beeinflussen, dass sie von sich aus mehr Zeit mit mir verbringen will oder selbst das Ruder in die Hand nehmen, was unter Umständen zu einer unausgeglichenen zwischenmenschlichen Beziehung führen könnte. Das ist vermeidenswert, da die Natur immer nach Ausgeglichenheit sucht. Entweder bekommt man eine ausgeglichene Beziehung zu Stande oder sie wird früher oder später zerbrechen.
Unausgeglichen ist eine Beziehung dann, wenn die Wünsche einer der beiden Personen im Rahmen ihrer Persönlichen Anforderungen nicht mehr ausreichend erfüllt werden.
Zum Beispiel, wenn bei Gesprächen das Gegenüber nur über Themen spricht, die einen nicht interessieren oder man nur Sachen unternimmt, die einem nicht sehr zusagen.
Das Scheitern ist in diesem Fall vorprogrammiert.
Schubladendenken sollte man hier strikt verneinen, da jede Person, wirklich jede, ein Individuum ist und man von der einen auf gar keinen Fall auf eine andere schließen sollte, auch, wenn es parallelen gibt.
Es mag Situationen geben, da funktioniert das sehr gut, aber dennoch ist äußerste Vorsicht geboten.
Lieber Leser, entweder denkst du nun: "Das klingt einleuchtend." oder "Was schreibt der Kerl da für einen Schrott?".
Ist das Erstere der Fall, wirst du durch diesen Beitrag eventuell über die hier beschriebenen Methoden nachdenken, vielleicht sogar etwas ausprobieren und dazulernen.
Ist Zweiteres der Fall, hast du nicht verstanden, worum es hier geht und du bist keiner neuen Denkweise gegenüber offen, was nicht weiter schlimm ist, denn hier gehts weniger darum, jemanden zu unterrichten.
Zwischen diesen beiden Möglichkeiten bewegst du dich also, in deinem eigenen Empfinden und entscheidest für dich selbst, ob du diesen Beitrag auf dein Denken einwirken lassen willst, oder eben nicht.
Manipulation ist nahezu unmöglich, wenn man sich seine eigene Meinung bildet und alles hinterfragt. 
Die Allgemeinheit hat nicht immer Recht (Die Erde ist keine Scheibe, wie mittlerweile wohl (fast) alle wissen). Intelligente Menschen irren sich auch (z.B. Albert Einstein).
Es gibt keine Patentlösung für etwas.
Also entwickelt ein Gefühl, auf das ihr euch verlassen könnt.

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